Grundsätzlich gilt: Rechtlich spricht nichts dagegen, während der Ausbildung zu heiraten. Trotzdem lohnt es sich, den Schritt gut zu planen und ein paar wichtige Punkte im Blick zu behalten.
Ausbildung und Ehe: rechtlich kein Problem
Weder das Berufsbildungsgesetz noch dein Ausbildungsvertrag verbieten eine Heirat. Deine Ausbildung läuft ganz normal weiter, mit allen Rechten und Pflichten. Der Arbeitgeber darf dich nicht benachteiligen, muss dir aber auch keine zusätzlichen Vorteile gewähren.
Urlaub für die Hochzeit: frühzeitig klären
Einen automatischen Anspruch auf Sonderurlaub zur Hochzeit oder Flitterwochen gibt es nicht. Ob du frei bekommst, hängt vom Tarifvertrag, von betrieblichen Regelungen oder vom Entgegenkommen deines Arbeitgebers ab. In vielen Fällen musst du dafür regulären Urlaub einplanen.
Finanzen und Alltag: gemeinsam managen
Heiraten bedeutet auch, die Finanzen neu zu organisieren: Miete, Lebenshaltungskosten, (gemeinsames) Konto, Versicherungen oder Mobilität müssen nun gemeinsam als Paar geplant werden.
Steuerklasse: ändert sich automatisch
Mit der Heirat ändert sich die Steuerklasse in der Regel zu IV/IV. Bei Ausbildungsgehältern tut sich da Netto nicht viel. Wenn dein Partner oder deine Partnerin aber deutlich mehr verdient als du (und ihr z. B. eine Kombination von Vollzeitjob und Azubi-Gehalt habt), kann es sinnvoll sein, die Steuerklasse aktiv zu wechseln. Recherchieren und beraten lassen!
Kindergeld: meist kein Problem
Solange du dich in deiner Erstausbildung befindest und unter 25 Jahre alt bist, besteht der Anspruch auf Kindergeld in der Regel weiter. Das Einkommen des Ehepartners spielt seit 2012 keine Rolle mehr für den Kindergeldanspruch.
BAföG: Das Partner-Einkommen zählt mit
Erhältst du BAföG? Sobald du verheiratet bist, muss dein Anspruch neu berechnet werden. Verdient dein Partner oder deine Partnerin gut, kann sich dein Anspruch auf Ausbildungsförderung reduzieren oder sogar entfallen.
Ressourcen: Timing und Kosten nicht unterschätzen
Hochzeiten brauchen meist viel Zeit, Planung und Organisation. In Prüfungsphasen oder stressigen Ausbildungsabschnitten kann das zur zusätzlichen Belastung werden. Hochzeiten kosten in der Regel auch recht viel Geld. Rechnet vorher alles gut durch und schaut, wie groß eure Feier werden darf und was ihr euch leisten könnt.
Internationaler Hintergrund: früh beraten lassen
Für Azubis mit internationalem Hintergrund kann eine Heirat auch Fragen zum Aufenthaltsrecht oder Familiennachzug aufwerfen. Hier gelten besondere Voraussetzungen, etwa zu Einkommen oder Wohnraum. Frühzeitige Beratung ist in diesen Fällen besonders wichtig.
Kurz gesagt: Heiraten während der Ausbildung – prinzipiell kein Problem. Entscheidend ist, ob es zu deiner aktuellen Lebenssituation passt. Wer realistisch plant, offen kommuniziert und sich nicht zusätzlich unter Druck setzt, kann Ausbildung und Ehe gut miteinander verbinden.