„Azubis sind doch nur billige Arbeitskräfte.“
„Die dürfen höchstens Kaffee holen oder kopieren.“
Solche Vorurteile halten sich hartnäckig – doch wie viel Wahrheit steckt wirklich dahinter?
Wir haben mit vier Auszubildenden aus unterschiedlichen Ausbildungsberufen gesprochen. Ihr Fazit ist eindeutig: Ausbildung bedeutet längst nicht mehr nur Zuschauen oder einfache Hilfsarbeiten. Im Gegenteil – Azubis können und sollen eigene Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen.
Vorurteil Nr. 1: Azubis sind billige Arbeitskräfte
Julian und Anna-Lena machen eine Ausbildung zum/zur Zerspanungsmechaniker/-in. Ein häufiges Vorurteil in ihrem Beruf: Azubis seien lediglich günstige Arbeitskräfte. Doch das entspricht nicht ihrer Realität.
Statt monotoner Hilfsarbeiten bekommen sie eigene Aufgaben und Projekte. So bauen Azubis zum Beispiel eigene Werkstücke – von technischen Zeichnungen bis hin zu komplexeren Projekten wie einer eigenen Lokomotive. Zusätzlich erhalten sie echte Aufträge aus dem Werk, für die sie selbstständig technische Zeichnungen anfertigen müssen. Wer eigene Ideen hat, kann diese ebenfalls umsetzen – etwa beim Bau eines selbst entworfenen Handhabungsgeräts.
Fazit: Kreativität, technisches Verständnis und Eigenverantwortung gehören hier von Anfang an zur Ausbildung dazu.
Vorurteil Nr. 2: Kauffrauen holen nur Kaffee
Anne kennt das Klischee nur zu gut: Als Kauffrau für Büromanagement werde man hauptsächlich zum Kopieren oder Kaffeeholen eingesetzt. Doch auch dieses Bild stimmt so nicht.
In ihrer Ausbildung arbeitet Anne aktiv an Projekten, bei denen Azubis ihre eigenen Ideen einbringen dürfen. Ein Beispiel ist das Azubi-Seminar: Hier planen die Auszubildenden eigenständig einen ganzen Tag für andere Azubis – von der Organisation bis zur kreativen Gestaltung. Dabei sind Eigeninitiative, Kreativität und Teamarbeit gefragt – Fähigkeiten, die weit über klassische Büroaufgaben hinausgehen.
Fazit: Wer motiviert ist, kann auch im Büroalltag Verantwortung übernehmen und kreative Projekte gestalten.
Vorurteil Nr. 3: Keine Verantwortung für Azubis
Auch Sebastian erlebt, dass das Vorurteil der „billigen Arbeitskraft“ nicht zutrifft. In seiner Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer durfte er bereits echte Verantwortung übernehmen.
So war er unter anderem an der Reparatur und Instandhaltung eines Gabelstaplers beteiligt. Besonders spannend: Sebastian durfte nach seiner eigenen Idee und Planung eine Metallkonstruktion entwerfen und diese selbstständig in der Firma bauen.
Fazit: Technisches Können, Eigeninitiative und Vertrauen spielen schon während der Ausbildung eine große Rolle.
Ausbildung heute: Mitdenken ausdrücklich erwünscht
Die Gespräche zeigen deutlich:
Moderne Ausbildung bedeutet Mitgestalten statt nur Mitlaufen. Wer Motivation zeigt, Fragen stellt und eigene Ideen einbringt, bekommt in vielen Betrieben die Chance, sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln.
Egal ob im technischen, kaufmännischen oder industriellen Bereich – Azubis sind längst mehr als nur Unterstützung. Sie sind Teil des Teams und können schon früh eigene Projekte umsetzen.